Aktuelles

Termin beim Bremer Rat für Integration

Auf vergangenen Bürgerveranstaltungen wurde der Wunsch geäußert, stärker auf Menschen mit Migrationshintergrund zuzugehen und sie für die Mitarbeit an der Planung des Neuen Hulsberg-Viertels zu gewinnen. Inzwischen ist dazu einiges passiert. Unter anderem waren Ortsamtsleiter Robert Bücking und Florian Kommer, Mitarbeiter der städtischen Grundstücksentwicklungsgesellschaft, am 15.2. beim Bremer Rat für Integration, um das Projekt vorzustellen. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert: http://www.bremer-rat-fuer-integration.de/aktuell/?id=275

Bericht vom 4. Forum: Trotz klirrender Kälte…

Trotz klirrender Kälte fand sich auch zum 4. Forum zu den Themen Bestandsgebäude und nachhaltige Versorgung eine beachtliche Zahl an Teilnehmern in der Friedensgemeinde in der Humboldtstraße ein. „Wie immer“ – kann man bereits sagen – moderiert Otmar Willi Weber in gewohnt wohlwollender Weise, stets mit einem zielsicheren Auge auf die Zeit, durch die abendliche Veranstaltung.

Anhand des Rückblick „Was bisher geschah“ durch Klaus Selle, sowohl zur Erinnerung als auch als Einstieg für die neu Hinzugekommenen, werden alle auf den aktuellen Stand des Beteiligungsprozesses gebracht.

Aufgrund der Frage, wie repräsentativ solch eine Bürgebeteiligung sein kann, sind über die Grenzen der Abende in der Friedensgemeinde hinaus Bürger verschiedener Nationen aus der näheren Nachbarschaft auf das laufende Verfahren am Hulsberg angesprochen worden.

Robert Bücking schildert Gespräche mit Personen, die von dem Beteiligungsprozess über das Hulsbergviertel bisher noch nicht erreicht worden sind– wie z. B der Gemüsehändler in der Ladenstraße, eine Gruppe von Brasilianern, sowie Libuse Cerna vom Rat für Integration. Dabei stieß der Ortsamtsleiter auf grundlegendes Interesse, aber u.a. auch auf Lebensumstände, die eine Bereitschaft zur Teilnahme an vierstündigen Abendveranstaltungen gar nicht zuließen. Das Verfahren befinde sich jedoch noch in einer sehr frühen Phase, so dass die Hoffnung auf eine Vergrößerung der Teilnehmervielfalt durchaus noch bestehen bleiben darf. Es sollen neue Formen und Wege gefunden werden, z.B. Menschen mit Migrationshintergrund aus der näheren Nachbarschaft, direkter anzusprechen.

Zum heutigen Thema „Gebäudebestand“ präsentieren Jost Westphal (Westphal Architekten) und Martin Pampus (Schulze Pampus Architekten) Ergebnisse einer Studie über die vorhandenen Gebäude auf dem Klinikgelände. Die Beurteilung basiert auf einer fachtechnischen Untersuchung der Gebäude und einer Untersuchung der Machbarkeit ihrer Umnutzung. Aus entsprechenden Kostenprognosen resultiert die immobilienwirtschaftliche Bewertung bzw. Empfehlung.

Die Gebäude auf dem Gelände wurden dazu in drei Kategorien eingeteilt:

  1. Erhalt (grün)
  2. Abriß (rot)
  3. kritisch (gelb)

Als erhaltenswert werden u.a. das Wöchnerinnenhaus, die Kinderklinik von 2002, das ehemalige Isolierhaus und die ehemalige Dermatologie, sowie die Krankenpflegeschule mit dem Cafe 2000, der Bunker an der St.-Jürgen-Straße, das ehemalige Scharlachhaus und noch einige weitere angesehen.

Eine deutliche Abrißempfehlung erhält die Frauenklinik aus dem Jahr 1985, sowie das raumgreifende ehemalige Schwesternwohnheim, bei dem jede Wand tragend und dadurch Grundrissänderungen kaum möglich wären. Auch das Zentrallager von 1991 und der Bunker in der Friedrich-Karl-Straße mit einer Raumhöhen von 2,20 m sowie weitere Gebäude werden dieser Gruppe zugeordnet.

Kritisch anzusehen ist u.a. das Kapellengebäude aus den 60er-Jahren, wie viele derartige Gebäude ungedämmt, aufgrund des sehr speziellen Grundrisses wäre hier bei Erhalt eventuell eine Theaternutzung denkbar. Ebenfalls kritisch eingestuft wird die Professor-Hess-Klinik an der Bismarckstraße, unter anderem aus statischen Gründen schwer umnutzbar.

Die Architekten öffnen den Blick auf den Bogen des gedanklichen Spielraums bei der Frage der Umnutzung, wie z.B. bei der Pathologie mit integrierter Kapelle, von völlig neuer Funktion und vielleicht sogar bis zur Wiederherstellung des alten Zustandes?

Weiterhin wurde das Bettenhaus von dem Büro Hilmes Lamprecht Architekten konkret auf seine Eignung zur Wohnnutzung detailliert geprüft. Auch hier ist eine Nachnutzung möglich.

Zum zweiten Thema der Veranstaltung stellt Gerhard Kopiske vom Ingenieurbüro UTEC Gedanken und Möglichkeiten für ein „Nachhaltiges Energieversorgungskonzept“ vor. Die anzustrebenden Ziele und Überlegungen beruhen auf zwei Säulen,

  • der Co2-Minimierung, also der Optimierung des energetischen Standards der einzelnen Gebäude,
  • und der Nachhaltigkeit der Versorgung, also die Frage nach Alternativen für die Energieversorgung

Verschiedene Möglichkeiten der Wärmeversorgung, zentral oder dezentral, die Auswahl an Energieträgern, Zielkonflikte zum Thema Solarenergie werden dargestellt, sowie die zukünftigen Wärmemengenbedarfe und die dafür eventuell zur Verfügung stehenden Flächen auf den zukünftigen Flachdächern. Wie werden die aktuellen Gebäude versorgt – lässt sich das neue Quartier an das auf dem Gelände vorhandene Fernwärmenetz anbinden?

Weiterhin zum Thema Nachhaltigkeit beim „Wasserver- und Entsorgungskonzept“ macht Olaf Krengel aufmerksam auf die Punkte Sicherheit, Umweltschutz und Kosten. Mögliche Komponenten der Regenwasserentwässerung, die auf den 14,4 ha anfallen, werden aufgezeigt, Beispiele anderenorts erläutert. Wäre die Idee einer Geländeaufhöhung übertragbar auf das Gelände am Klinikum Mitte?

Nach dem alle Teilnehmer anhand dieser Hintergründe ihren Kenntnisstand entsprechend erweitert haben, gehen wir mit einer leichten Verspätung in die beiden Arbeitsgruppen „Gebäudebestand“ und „Nachhaltigkeit“.

Es ergeben sich folgende Fragen, Wünsche, Interessen, Erkenntnisse und Anregungen:

  • welchen Stellenwert hat die von den Architekten erarbeitete Untersuchung für die weitere Planung?
  • Welche Gebäude eignen sich evtl. für kostengünstiges Wohnen?
  • Wäre es denkbar, die Kapelle als solche zu nutzen?
  • Vorschlag der temporären Nutzung von „kritischen“ Gebäuden
  • Nachteilige Konsequenz der Zwischennutzung: keine freien Baufelder, kein Neubau
  • Wunsch nach einer Aufweitung der Perspektive bei der immobilienwirtschaftlichen Bewertung, z.B. wären eingeschossige „Abrissgebäude“ für Künstlerwerkstätten nutzbar, hinsichtlich der angestrebten Vielfältigkeit und Lebendigkeit des neuen Viertels?
  • Dieser Prozess als Chance, „Träume mit ingenieurtechnischem Wissen in Kontakt bringen“ (Zitat Robert Bücking)
  • Erkenntnis: Vorschlag zum Abriss der Frauenklinik ergibt wenig Widerstand
  • Wer bezahlt den Abriss von Gebäuden? – ist Teil der Kosten, die mit dem Gelände in Zusammenhang stehen, wie auch Kanalbau, Erschließung, etc, die das Gelände hinterher erwirtschaften muss
  • Wann kann ich mir zu bestehenden Gebäuden konkrete Gedanken machen?
  • Diskussion über verschiedene Betrachtungsweisen: „Investorensicht“ vs. „Was ist kultig?“
  • Wie wird das neue Klinikgebäude versorgt? Gibt es hier Möglichkeiten zur gemeinsamen Nutzung von Systemen?

Aus der anderen Gruppe zum Thema nachhaltige Versorgung berichtet Florian Kommer im Protokoll.

Zum Abschluss gibt Architekt Manfred Hegger, Präsident der deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit, und Professor am Institut für Entwerfen und Energieeffizientes Bauen der TU Darmstadt einen Einblick in Erkenntnisse und Wissenswertes über das umfangreiche Thema Nachhaltigkeit.

Anhand einleuchtender Statistiken macht er die derzeitige Entwicklung des Energiebedarfs deutlich, weist auf die Notwendigkeit und Möglichkeiten zur Verdichtung hin – in Deutschland werden derzeit 100 ha Land pro Jahr versiegelt, Ziel seien nur noch 30 ha. Hinsichtlich der Ökonomie zeigt er die gering weiterentwickelte Arbeitsproduktivität im Baubereich auf, spricht auf sozialkulturelle Aspekte an, 70 % der im Jahre 2050 9,2 Mrd Menschen werden vorraussichtlich in Städten leben – wenn der Raumwärmebedarf pro m² zwar sinkt, der Raumbedarf pro Kopf jedoch ansteigt, bleibt der Wärmebedarf pro Kopf gleich?

Anhand von bereits gebauten Beispielen zeigt er, wie der Gedanke der Nachhaltigkeit – vielleicht auch im Hulsbergviertel? – umgesetzt werden kann.

Berich von Corinna Lueßen

Protokoll Neues Hulsberg 01-02-2012
Präsentation K Selle
Präsentation Bestand 1 J Westphal
Präsentation Bestand 2 J Westphal
Präsentation Bestand 3 M Pampus
Präsentation Energieversorgung G Kopiske
Präsentation Wasserversorgung O Krengel

P.S. Aufgrund von Bilderrechten konnte Herr Prof. Hegger seine Präsentation für diese Website leider nicht zur Verfügung stellen.

Wer beteiligt sich eigentlich? Auswertung der Fragebögen vom vierten Forum

Da öfter laut darüber nachgedacht wurde, wie repräsentativ die öffentlichen Foren sind – Stichworte waren unter anderem Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung – wurden auf dem letzten Forum Fragebögen verteilt, um herauszufinden, wer sich beteiligt. Außerdem wollten wir den Teilnehmern Gelegenheit zum Feedback geben: Was war an den bisherigen Foren gut, was könnte besser sein und was sollte zukünftig berücksichtigt werden?

Wir bedanken uns bei allen, die uns eine Rückmeldung gegeben haben. Eine detaillierte Auswertung der Fragebögen finden Sie hier.

Wie gestaltet man ein gemischtes Quartier? Bericht vom Forum am 30. November

Als Erstes fiel mir bei diesem vierten Treffen die leicht geänderte Sitzordnung auf. Im schwungvollen Halbrund fand dieses, wieder gut besuchte Forum, zum Thema: „Wie gestaltet man ein gemischtes Quartier“ statt. Zur Einführung präsentierte Herr Selle den aktuellen Stand des Beteiligungsprozesses „Was bisher geschah“, eine Fortsetzungsgeschichte. Er freut sich über  die große Anzahl der kontinuierlich teilnehmenden interessierten Bürger und Bürgerinnen. Ging mir auch so. Weiter ging es mit einem Kurzbericht der Exkursion nach Hamburg (siehe auch Bericht auf dieser Internetseite).

Wie kann die „Jugendbeteiligung“ sichergestellt werden. Diese Frage war in den vorherigen Foren gestellt worden. Eine Antwort gab Heike Blanck vom Ortsamt Mitte /Östliche Vorstadt, zuständig für Beteiligung/Jugendbeteiligung. Sie stellte in einem bunten Beitrag gelebte Jugendbeteiligungsprojekte vor, z.B. die Neugestaltung  des Stadionbads (tolle neue Rutsche, nicht aber die Killerrutsche). Sie hatte eine Bitte an alle Beteiligten:

  • lassen sie sich auf die Sichtweise der Jugendlichen ein,
  • lassen sie die (Bau)-Vorschriften vorerst unbeachtet
  • stellen sie Kommunikation her.

Herr Lütjen, Immobilienberater, stellte vier Thesen zur immobilienwirtschaftlichen Betrachtung der Nutzungsmischung auf.  Aus seiner Sicht können durch das frühzeitige Beteiligungsverfahren neue Nutzer und Nutzungen in die Stadtmitte zurückgeführt werden.  Zielkonflikte können früh erkannt werden. Keiner möchte gern in einem Neubaugebiet wohnen, deshalb werten die vorhandenen Immobilien den Standort auf. Es soll kein Borgfeld – Ost oder ein Gesundheitspark entstehen. Die Altbestände können sehr unterschiedlich genutzt werden. Sie sind für das günstige Wohnen sehr wichtig. Büro- und Handelsflächen sind nur Ergänzungsnutzung. Im Mittelpunkt steht das Wohnen in unterschiedlichen Formen. Planungsrecht kann Nutzungsdurchmischung schaffen. Richtige Kommunikation mit Investoren ist unerlässlich. Seine Quintessenz: für die soziale Durchmischung des neuen Viertels sind die Gestaltung des Planungsrechts und die Gestaltung der Finanzen Grundvoraussetzungen.

 

Der Wirtschaftsförderer Kai Stührenberg, führte uns in die Welt der gewerblichen Nutzung ein. Zwei Wirtschaftszweige, die Kreativ- und die Gesundheitswirtschaft kommen für das neue Viertel infrage. Die Nutzung durch Kreative erfolgt in der Regel nicht im klassischen Büro, sondern in selbst entdeckten Räumen für Nutzungen wie Arbeit/Freizeit/Kultur. Kreative haben hohe Ansprüche, können aber häufig nur 3-7 € Miete bezahlen. Die Bestandsimmobilien sollten genutzt werden, die Akteure eingebunden werden. Es sollten überschaubare Flächen zu erschwinglichen Mieten bereitgestellt werden.

Betreutes Wohnen, diverse Gesundheitsdienstleistungen um das Klinikum herum, Einzelhändler/ Orthopäden, Physiotherapie usw. sind Bestandteile einer gesundheitswirtschaftlichen Nutzung. Diese sollten im intensiven Dialog mit dem Klinikum entwickelt werden.

Nach so viel Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten wollten die Teilnehmer_innen wisse: Wie geht das jetzt eigentlich? Wie kommen wir zu einer Mischung des Neuen – Hulsberg-Viertels?

Dazu Herr Jorzick, Projektentwickler: Das wichtigste Steuerungsmittel ist die Vergabe der Grundstücke. Die städtische Gesellschaft muss als Eigentümerin bei dem Verkauf an die Investoren die Konditionen bestimmen. Die Grundstücke sollen an Genossenschaft, Wohnungsbaugesellschaften und Private abgegeben werden. Daneben sollte es eine kleinteilige Planung geben. Die Altbestände bieten die Spielräume für unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten und unterschiedliche Preise. Die Nutzung muss an die Gebäude angepasst werden nicht umgekehrt. Damit werden zu aufwendige Sanierungen vermieden. Die Gesellschafter und Berater werden viel rechnen müssen. Das Quartier soll Stück für Stück entwickelt werden.

Die vier Arbeitsgruppen tauschten sich im ersten Schritt über ihre unterschiedlichen Wohnerfahrungen aus.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu der Art der Nutzung des Quartiers und der Verträglichkeit der unterschiedlichen Nutzung waren zum großen Teil übereinstimmend. Alle haben sich mit der Frage der Regelung von Konflikten beschäftigt. So soll es verschiedene Zonen für Wohnen und gewerbliche Nutzung geben. Welche Art der Bebauung ist hierbei hilfreich? Ein Quartiersverein soll gegründet werden. Das soziale Miteinander soll organisieren werden. 80% der Flächen sollten dem Wohnen vorbehalten sein. Soziale Mischung durch sozialen Wohnungsbau sicherstellen. In welchen anderen Städten gibt es positive Beispiele? Gibt es Möglichkeiten die Altbestände zwischen zu nutzen? Die Baukörper sollen für unterschiedliche Nutzungen konzipiert werden und der Ausgangspunkt ist eine kleinteilige Grundstücksvergabe. Viele Frage und Aufgaben für die Gutachter.
Ich bin gespannt auf das nächste Forum am 1. Februar 2012.

Bericht von Anke Kozlowski

Protokoll Neues Hulsberg 30-11-2011
Präsentation K Selle
Präsentation Immobilienwirtschaftliche Betrachtung J Lütjen
Präsentation Gewerbenutzung K Stührenberg
Präsentation Mischung im Quartier FJ Höing
Präsentation Baugruppen R Schendel

Außerdem hat Eva Herr von der Hamburg-Exkursion berichtet, von Heike Blanck gabe es ein Statement zur Jugendbeteiligung.

Bericht von der Exkursion nach Hamburg

Am 19.11. machten sich 35 Interessierte auf den Weg nach Hamburg, um zu schauen, wie dort vergleichbare Bauprojekte realisiert werden. Auf dem Programm standen:

  • das Quartier 21 auf dem ehemaligen Geländes des Barmbeker Krankenhauses,
  • das von der Baugruppe Tilsammans realisierte schwarze Haus auf dem ehemaligen Krankenhaus Eilbek (heute Parquartier Friedrichsberg)
  • und die Internationalen Bauausstellung (IBA) in Wilhemlsburg sowie das IBA-Projekt Open House

Thomas Kuby berichtet hier ausführlich über die Exkursion.

Forum Mobilität, öffentlicher Raum und Natur am 1.11.- oder:

„Das Auto hat es nicht ganz so gut wie der Baum.“ (O. W. Weber, Moderation)

Inzwischen spielt sich eine gewisse Routine ein: bekannte Gesichter auf dem Podium, ähnliche Programmabläufe und vor allem viele mittlerweile vertraute Gesichter im vollen Saal. Auch neue Interessierte sind gerne willkommen: Zu Beginn stellte Herr Selle den Stand des Geschehens vor, auf Nachfragen gibt es geduldige und freundliche Antworten.

Foto: Walter Gerbracht

Neu war die Entwicklung im Verfahren. So wurden Rückmeldungen und Anregungen vorgestellt, die im weiteren Verlauf berücksichtigt werden sollen:

  • Bildung von Arbeitsgruppen oder Interessensgemeinschaften, die sich intensiver mit einzelnen Themen befassen
  • Vorstellung von Planungskonzepten bereits aktiver Arbeitsgruppen
  • Jugendbeteiligung

Ausdrücklich seien weitere Ideen willkommen. Diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ist notwendige Voraussetzung für authentische Partizipation.  Bemerkenswert waren in diesem Sinne auch die Zusagen von Herrn Höing, die Beteiligung im nächsten Jahr nahtlos fortzusetzen. So solle beispielsweise das Gutachterverfahren von öffentlichen Zwischenterminen begleitet werden, in denen Rückkopplung und Kurskorrekturen möglich seien.

Als Einstieg in die Themenschwerpunkte wurden die dazu in Auftrag gegebenen Gutachten vorgestellt. 

Derzeit in Bearbeitung ist ein Mobilitätskonzept – eines, dass sowohl die Klinik als auch das neue Quartier umfasst. Vorgestellt wurde von Herrn Haller eine Bestandsanalyse sowie der Ausblick auf die zu erwartende Verkehrssituation. Kristallisationspunkt ist die Frage der Auto-Stellplätze: Wie viele werden benötigt, um Auswirkungen auf die umliegenden Quartiere zu vermeiden? Wie wenige können in einem autoarmen Quartier ausreichen? Dazu wurden Handlungsfelder aufgezeigt, wie das Verkehrsverhalten beeinflusst werden kann:

  • städtebaulich durch Mischnutzung,
  • durch eine entsprechende Erschließung: komfortabel für den ÖPNV, attraktiv für das Fahrrad und den Fußverkehr, zoniert und nur bedingt durchlässig für den Kfz-Verkehr,
  • durch die Gestaltung des Parkraumangebots: Bewirtschaftung, Quartiersgaragen, Synergieeffekte eines gemeinsamen Klinik- und Quartiersparkhauses, nur wenige ebenerdige Parkplätze,
  • durch die Förderung von Car-Sharing: Teilen statt Besitzen,
  • durch Anreize zum Umsteigen wie z.B. ein Jobticket.


Die Untersuchung des Baumbestandes wurde von Herrn Block-Daniel vorgestellt. Insgesamt finden sich 426 Bäume auf dem Gelände, von denen der Großteil als „erhaltungswürdig“ begutachtet wurde.  Von diesen sind wiederum nach Bremer Baumschutzverordnung 147 Bäume geschützt. Beeindruckend die Ausmaße der Bäume: 55 Baumarten mit bis zu 30m Höhe, 26m Kronen- und 4,60m Stammdurchmesser.

In einem dritten Beitrag zeigte Herr Höing anhand von Fotos aus den umliegenden Quartieren ein Spektrum unterschiedlicher Freiräume, die als Gestaltungselemente auf das neue Quartier übertragen werden könnten. Greifbar die Attraktivität der altbremer Straßen, eingefangen besondere grüne Oasen in einem dichten Stadtquartier und belebte Ecken und Plätze. Parkende Autos, auf den Fotos dezent hinter Grün versteckt, kennen Ortskundige in der Realität jedoch deutlich dominanter.

Mit Hinweis auf den Zeitplan wurden Zwischenfragen und Kommentare zu den Fachvorträgen von Moderator Otmar Willi Weber freundlich aber bestimmt auf ein Minimum beschränkt und auf die anschließenden Workshops verwiesen. In diesen zeigte sich das Engagement  der Beteiligten in lebendigen Runden. Fachleute aus Verwaltung und Gutachterbüros verteilten sich in die verschiedenen Gruppen und unterstützten die Diskussion mit Hintergrundinformationen.

Die Ergebnisse aus den drei Mobilitäts-Workshops knüpften an die Zielrichtung des vorgestellten Gutachtens an: Schaffen eines autoarmen Quartiers mit autofreien Bereichen und Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Car-Sharings sowie ÖPNV. Das Parken und die Auswirkungen zwischen Klinikum, neuem Quartier und Umgebung wurden als wichtige Themen benannt. Neue Ideen waren der Einsatz eines Elektro-Kleinbusses innerhalb des Quartiers, Shared Space sowie die Nutzung der vorhandenen Bunker als Parkhäuser.

Im Ergebnis der beiden Grün-Workshops wurde die hohe Bedeutung des Baumbestandes betont, die Stadt sei um die Bäume herum zu planen. Freiräume und Bäume wurden als Verknüpfungselemente des neuen Quartiers mit der Umgebung gesehen. Eine Anregung war die Idee des Urban Gardening, z.B. mit Obstbäumen und Beerensträuchern.

Zum Abschluss der Veranstaltung bot Herr Aufmkolk einen Blick über den Tellerrand auf Beispiele anderer Konversionsvorhaben. Seine Erfahrung zeige, dass Bäume nicht alleine Ehrfurcht vor der Natur gebieten, sondern auch eine nicht zu unterschätzende immobilienwirtschaftliche Bedeutung haben. Daher lautete die Empfehlung: Bäume als Maßstab der Planung ansetzen.

Mit dem Forum Mobilität, öffentlicher Raum und Natur hat sich das Bild zur Planung des neuen Hulsberg-Viertels weiter vervollständigt. Auf dem Modell des Geländes liegt nun nicht nur ein Berg Baumasse, stapelweise Verkehrsfläche und eine Menge Grün kommen dazu.

Ein Bericht von Anne Mechels (Bremerin, mit Interesse an neuen Wohnperspektiven in autofreier Umgebung und freiberufliche Verkehrsplanerin mit Interesse an partizipativen Prozessen – und auf Anfrage von Frau Herr in diesem Fall: Beobachterin der Veranstaltung für einen Bericht aus externer Sicht)

Protokoll Neues Hulsberg 1-11-2011
Präsentation Mobilität W Haller Teil 1
Präsentation Mobilität W Haller Teil 2
Präsentation Freiraumtypologien FJ Höing Teil 1
Präsentation Freiraumtypologien FJ Höing Teil 2
Präsentation Baumgutachten Block-Daniel Teil 1
Präsentation Baumgutachten Block-Daniel Teil 2
Präsentation Gerd Aufmkolk

P.S. Falls Probleme mit dem Download bestehen, bitte Eva Herr unter eva.herr@bau.bremen.de kontaktieren.

Bericht von der Veranstaltung am 8.9.2011: Städtebauliche Einbindung des neuen Hulsberg-Viertels

Er selbst erwarte das Resultat dieses Prozesses – eine Bürgerbeteiligung in solch frühem Stadium der Planung – mit Spannung, so der Moderator des Bürgerbeteiligungsverfahrens “Das Neue Hulsberg Viertel” Prof. Klaus Selle. Wie ein roter Faden zog sich dieser Satz durch die Veranstaltung am 8. September 2011, bei der es diesmal um das Thema der städtebaulichen Einbindung des neuen Quartiers in die Umgebung ging. Die Spannung, vielleicht auch die Verunsicherung, war deutlich zu spüren, sowohl bei den interessierten Bürgern, wie auch bei den Akteuren der Stadt.

  • Welche Auswirkungen resultieren aus der ökonomischen Bedingung, mit der Vermarktung der Grundstücke Erlöse für das Klinikum zu erwirtschaften?
  • Gibt es Raum für Partizipationsmodelle interessierter zukünftiger Bewohner auf dem Grundstück?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich durch neue Nutzung des Geländes für die Nachbarschaft?

Dies waren einige Fragestellungen, die aus dem Plenum an das Podium gerichtet wurden. Bei einem üblichen Planungsablauf hätten diese Fragen anhand eines zuvor erarbeiteten städtebaulichen Entwurfes erörtert werden können. Fragen der Erschließung, der städtebaulichen Dichte, der Höhenausbildung, der inneren Organisation des Quartiers und des Umgangs von öffentlichen und privaten Freiräume wären in einem solchen Verfahren sichtbar geworden und hätten die Reaktion des Publikums hervorgerufen.

Beim Planungsprozess für das Quartier „Das Neue Hulsberg Viertel“ ist es jedoch anders: Dort sollen durch eine vorgezogene Bürgerbeteiligung, Wünsche und Bedingungen für ein im Anschluss geplantes Gutachterverfahren bereits im Vorwege artikuliert werden. Es handelt sich somit um die Umkehrung bisheriger Planungsabläufe.

Der erste Vortrag des Abends wurde von dem Projektentwickler Peter Jorzick aus Hamburg gehalten. Herr Jorzick hat bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten: Unter anderem war er an der Umnutzung eines Klinikareals in Hamburg-Barmbek beteiligt. Auf Grundlage seiner Erfahrung in Hamburg hatte Herr Jorzick für die Stadt Bremen eine Bewertung der Grundstücke und Gebäude auf dem Klinikum Mitte vorgenommen. Seiner Meinung nach ergibt sich aus dem 14 ha großen Grundstück, dass durch den Klinikneubau frei wird, ein Nettobauland von ca. 10 ha. Herr Jorzick ging bei seiner Bewertung davon aus, dass eine Bebauung zum Teil aus Bestandsgebäuden und zum Teil aus Neubauten bestehen wird. Den Erlös aus den Grundstücks- und Gebäudeverkäufen bezifferte er auf ca. 15 bis 31 Mio. Euro. Die Entwicklung eines solchen Quartiers würde einen Zeitraum von ca. 5 – 7 Jahre in Anspruch nehmen.

In einer anschließenden Diskussion wurde die in der Presse bekannt gewordene Debatte um die wahrscheinlich nicht zu erzielenden Erlöserwartungen des Klinikums in Höhe von ca. 54 Mio. Euro erörtert. Herr Jorzick erklärte, dass sich ähnliche Erlösdefizite auch in Hamburg-Barmbek ergeben hatten. In der Bilanz des Grundstückseigentümers sind die Bestandsimmobilien entsprechend ihrer Spezialnutzung und insbesondere hochtechnologischen Ausstattung bewertet. Diese Bewertung muss allerdings bei einer Umwidmung korrigiert werden, was zu entsprechenden Bilanzverlusten führen wird, die wiederum ausgeglichen werden müssen. Die anwesenden Staatsräte Mützelburg und Schuster stimmten dieser Auffassung zu.

In einem zweiten Vortrag präsentierte der Senatsbaudirektor Herr Franz-Josef Höing das Ergebnis einer ersten Volumenstudie anhand eines städtebaulichen Modells. Diese Studie ergab, dass eine Unterbringung des von Herrn Jorzick angenommenen Mindestvolumens plausibel ist.

Ein schneller Test: Passt die von Herrn Jorzick angenommene Baumasse? Bleibt Platz für Grün? Danach wird alles wieder abgeräumt, denn wir sind erst am Anfang der Planung.

Auf Grundlage des städtebaulichen Modells wurden im Anschluss an die Präsentation Fragestellungen an das Plenum für die Arbeitsgruppen gerichtet. Diese lauteten unter anderem:

  • welche Höhenentwicklung ist auf dem Gelände denkbar,
  • welche städtebauliche Dichte ist vertretbar,
  • wie und wo sind öffentliche Freiräume zu planen,
  • wie soll sich das neue Quartier mit der Nachbarschaft verknüpfen,
  • wie und wo erfolgt eine zukünftige Erschließung des Geländes.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden vorgetragen und sollen Eingang in das Anforderungsprofil des geplanten Gutachterverfahrens finden.

Bevor Frau Angela Weiskopf aus Tübingen, die zukünftige Referatsleiterin des Bereiches Mitte beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in Bremen, einen Vortrag über das unter anderem von ihr mit geplanten Vaubauquartiers in Freiburg hielt, kulminierte der zu Anfang dieses Erfahrungsberichtes genannte rote Faden in einem Redebeitrag aus dem Plenum an den Senatsbaudirektor gerichtet -„Herr Höing, wir vertrauen Ihnen!“

Bericht von Michael Frenz

Protokoll Neues Hulsberg 08-09-2011
Präsentation Prof. Klaus Selle
Präsentation Franz-Josef Höing Teil 1
Präsentation Franz-Josef Höing Teil 2
Präsentation Angela Weiskopf

Themen für die Workshops im Herbst als Download

Am 24. Juni gab es eine öffentliche Veranstaltung zur Vorbereitung der Planungsworkshops im Herbst. Folgende Themen sollen unter anderem ab September erarbeitet werden: städtebauliche Einbettung, Wohnen, Mobilität, Freiraum und Natur, Nahversorgung, Gewerbe, soziale Durchmischung und Wegeführung/öffentlicher Raum. Weiterhin sollen Querschnittsthemen wie Barrierefreiheit und Sonderthemen wie z.B. Ehrenamt oder Beratungsbüro in die Planung einfließen.

Das vollständige Programm für den Herbst kann hier heruntergeladen werden:

Hulsberg Viertel Herbstprogramm

Der nächste Termin zur städtebaulichen Einbettung findet am Donnerstag, den 8.9. ab 17:30 in der Friedensgemeinde in der Humboldtstraße 175 statt.

Ohne Regie geht es nicht, ohne Akteure auch nicht

Bericht von der Veranstaltung am 24.6.2011 in der Friedensgemeinde: Einstieg in die vorbereitende Planung nach dem Sommer

„Je klarer die Regieanweisung, desto klarer die Ergebnisse“, ist Senatsbaudirektor Franz Joseph Höing überzeugt. Gemeinsam mit Prof. Klaus Selle, Spezialist für Bürgerbeteiligungsverfahren aus Aachen, stellte er am Freitag, den 24. Juni, das Drehbuch bis 2012 vor, darin die Vorgabe konkreter erster Workshoptermine noch in diesem Jahr. An die 100 Interessierte folgten der Einladung in die Friedensgemeinde um 18.00 Uhr. Am Ende stand fest: Regisseure und Akteure können gemeinsam zu sehr guten Ergebnissen gelangen, wenn Sie in einen offenen Dialog treten.

Um was ging es genau an diesem ersten, von Otmar Willi Weber gewohnt professionell moderierten Termin nach der Auftaktveranstaltung auf dem Klinikgelände?

Erstens: Um die Verständigung auf einen gemeinsamen Prozess. Schon das ist nicht unbedingt üblich, wie Prof. Selle betont. Häufig ist der Prozess bei Bürgerbeteiligungsverfahren vorgegeben und nicht mehr Gegenstand einer Diskussion um das Für und Wider. „Es gibt keine richtige oder falsche Form der Bürgerbeteiligung“, sagt Selle, „es gibt maximal gute Erfahrungen aus anderen Städten und derer will man sich auch in Bremen bedienen.“ An diesem Abend wurde die Idee der „Expertentische“ – eine Arbeitsmethode, die in Zürich erfolgreich angewendet wurde – aufgegriffen und abgewandelt, denn, „wir wollen keine geschlossenen Arbeitsgruppen zu diesem frühen Zeitpunkt“, hieß es sinngemäß aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger. Und Selle reagierte direkt mit dem Vorschlag eines neuen, offeneren Konzepts.

Zweitens: Um die erste Sammlung von Themen und Fragestellungen zum Quartier, dies im Rahmen von Gruppenarbeit. Hier war aktives Einbringen in den Prozess gefragt, und Selle brachte den damit verbundenen Rollenwandel in seiner Ansprache auch gleich auf den Punkt: „Ab jetzt sind Sie nicht mehr Gäste, sondern wir sind alle Mitarbeiter bei der Entwicklung des Hulsberg-Viertels.“ Wer mitarbeiten wollte – übrigens der deutlich größere Teil der Anwesenden – blieb und wurde mit interessanten Ergebnissen belohnt. „Sind alle Themen, die im „Neuen Hulsberg“ zu bedenken sind, bereits benannt?“ lautete Fragestellung Nr. 1. Und welche Ideen oder Fragen haben Sie zu den einzelnen Themenbereichen? Unter den Oberpunkten wie Wohnen, Arbeiten, Soziale Mischung, Energiekonzepte, Einbindung und weiteren mehr sammelte sich eine beachtliche Anzahl gelber Zettel mit Anregungen und Fragen. Auch das eine gute Erfahrung an diesem Abend: „Ich bin mit meinen Vorstellungen nicht allein.“ Und: „Ich nehme jede Menge neuer Ideen mit.“ So registrierte Weber am Ende dieses intensiven Austauschs auch viele zufriedene Gesichter: „Ja, mein Input wird gehört, notiert und fließt in den Prozess ein.“ Ich bin Teil des Verfahrens – ein gutes Gefühl, wenn einem Stadt, Quartiersentwicklung und Nachbarschaft nicht gleichgültig sind.

Die weiteren Workshoptermine sind für den 8.9., 3.11. und 1.12. geplant. Zeit, Ort und Themenstellung werden über diese Website, den Newsletter und über die Tagespresse bekannt gegeben. Mit den lokalen Medien soll eng zusammengearbeitet werden, damit möglichst viele Menschen rund um das Hulsberg-Viertel erreicht werden. Mitmachen und mitarbeiten kann jeder an der Entwicklung Interessierte. Es empfiehlt sich allerdings, sich vorab auf dieser Website über Ergebnisse zu informieren, um nahtlos in den Prozess einsteigen zu können.

Bericht von Katrin Johnsen, Fotos von Florian Pfeffer

Präsentation Klaus Selle Teil 1
Präsentation Klaus Selle Teil 2
Neues Hulsberg Protokoll 24-6-2011