Das neue Hulsberg-Viertel

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8.11.11

Forum Mobilität, öffentlicher Raum und Natur am 1.11.- oder:

„Das Auto hat es nicht ganz so gut wie der Baum.“ (O. W. Weber, Moderation)

Inzwischen spielt sich eine gewisse Routine ein: bekannte Gesichter auf dem Podium, ähnliche Programmabläufe und vor allem viele mittlerweile vertraute Gesichter im vollen Saal. Auch neue Interessierte sind gerne willkommen: Zu Beginn stellte Herr Selle den Stand des Geschehens vor, auf Nachfragen gibt es geduldige und freundliche Antworten.
Foto: Walter Gerbracht

Neu war die Entwicklung im Verfahren. So wurden Rückmeldungen und Anregungen vorgestellt, die im weiteren Verlauf berücksichtigt werden sollen:

  • Bildung von Arbeitsgruppen oder Interessensgemeinschaften, die sich intensiver mit einzelnen Themen befassen
  • Vorstellung von Planungskonzepten bereits aktiver Arbeitsgruppen
  • Jugendbeteiligung

Ausdrücklich seien weitere Ideen willkommen. Diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ist notwendige Voraussetzung für authentische Partizipation.  Bemerkenswert waren in diesem Sinne auch die Zusagen von Herrn Höing, die Beteiligung im nächsten Jahr nahtlos fortzusetzen. So solle beispielsweise das Gutachterverfahren von öffentlichen Zwischenterminen begleitet werden, in denen Rückkopplung und Kurskorrekturen möglich seien.

Als Einstieg in die Themenschwerpunkte wurden die dazu in Auftrag gegebenen Gutachten vorgestellt. 

Derzeit in Bearbeitung ist ein Mobilitätskonzept – eines, dass sowohl die Klinik als auch das neue Quartier umfasst. Vorgestellt wurde von Herrn Haller eine Bestandsanalyse sowie der Ausblick auf die zu erwartende Verkehrssituation. Kristallisationspunkt ist die Frage der Auto-Stellplätze: Wie viele werden benötigt, um Auswirkungen auf die umliegenden Quartiere zu vermeiden? Wie wenige können in einem autoarmen Quartier ausreichen? Dazu wurden Handlungsfelder aufgezeigt, wie das Verkehrsverhalten beeinflusst werden kann:

  • städtebaulich durch Mischnutzung,
  • durch eine entsprechende Erschließung: komfortabel für den ÖPNV, attraktiv für das Fahrrad und den Fußverkehr, zoniert und nur bedingt durchlässig für den Kfz-Verkehr,
  • durch die Gestaltung des Parkraumangebots: Bewirtschaftung, Quartiersgaragen, Synergieeffekte eines gemeinsamen Klinik- und Quartiersparkhauses, nur wenige ebenerdige Parkplätze,
  • durch die Förderung von Car-Sharing: Teilen statt Besitzen,
  • durch Anreize zum Umsteigen wie z.B. ein Jobticket.


Die Untersuchung des Baumbestandes wurde von Herrn Block-Daniel vorgestellt. Insgesamt finden sich 426 Bäume auf dem Gelände, von denen der Großteil als „erhaltungswürdig“ begutachtet wurde.  Von diesen sind wiederum nach Bremer Baumschutzverordnung 147 Bäume geschützt. Beeindruckend die Ausmaße der Bäume: 55 Baumarten mit bis zu 30m Höhe, 26m Kronen- und 4,60m Stammdurchmesser.

In einem dritten Beitrag zeigte Herr Höing anhand von Fotos aus den umliegenden Quartieren ein Spektrum unterschiedlicher Freiräume, die als Gestaltungselemente auf das neue Quartier übertragen werden könnten. Greifbar die Attraktivität der altbremer Straßen, eingefangen besondere grüne Oasen in einem dichten Stadtquartier und belebte Ecken und Plätze. Parkende Autos, auf den Fotos dezent hinter Grün versteckt, kennen Ortskundige in der Realität jedoch deutlich dominanter.

Mit Hinweis auf den Zeitplan wurden Zwischenfragen und Kommentare zu den Fachvorträgen von Moderator Otmar Willi Weber freundlich aber bestimmt auf ein Minimum beschränkt und auf die anschließenden Workshops verwiesen. In diesen zeigte sich das Engagement  der Beteiligten in lebendigen Runden. Fachleute aus Verwaltung und Gutachterbüros verteilten sich in die verschiedenen Gruppen und unterstützten die Diskussion mit Hintergrundinformationen.

Die Ergebnisse aus den drei Mobilitäts-Workshops knüpften an die Zielrichtung des vorgestellten Gutachtens an: Schaffen eines autoarmen Quartiers mit autofreien Bereichen und Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Car-Sharings sowie ÖPNV. Das Parken und die Auswirkungen zwischen Klinikum, neuem Quartier und Umgebung wurden als wichtige Themen benannt. Neue Ideen waren der Einsatz eines Elektro-Kleinbusses innerhalb des Quartiers, Shared Space sowie die Nutzung der vorhandenen Bunker als Parkhäuser.

Im Ergebnis der beiden Grün-Workshops wurde die hohe Bedeutung des Baumbestandes betont, die Stadt sei um die Bäume herum zu planen. Freiräume und Bäume wurden als Verknüpfungselemente des neuen Quartiers mit der Umgebung gesehen. Eine Anregung war die Idee des Urban Gardening, z.B. mit Obstbäumen und Beerensträuchern.

Zum Abschluss der Veranstaltung bot Herr Aufmkolk einen Blick über den Tellerrand auf Beispiele anderer Konversionsvorhaben. Seine Erfahrung zeige, dass Bäume nicht alleine Ehrfurcht vor der Natur gebieten, sondern auch eine nicht zu unterschätzende immobilienwirtschaftliche Bedeutung haben. Daher lautete die Empfehlung: Bäume als Maßstab der Planung ansetzen.

Mit dem Forum Mobilität, öffentlicher Raum und Natur hat sich das Bild zur Planung des neuen Hulsberg-Viertels weiter vervollständigt. Auf dem Modell des Geländes liegt nun nicht nur ein Berg Baumasse, stapelweise Verkehrsfläche und eine Menge Grün kommen dazu.

Ein Bericht von Anne Mechels (Bremerin, mit Interesse an neuen Wohnperspektiven in autofreier Umgebung und freiberufliche Verkehrsplanerin mit Interesse an partizipativen Prozessen – und auf Anfrage von Frau Herr in diesem Fall: Beobachterin der Veranstaltung für einen Bericht aus externer Sicht)

Protokoll Neues Hulsberg 1-11-2011
Präsentation Mobilität W Haller Teil 1
Präsentation Mobilität W Haller Teil 2
Präsentation Freiraumtypologien FJ Höing Teil 1
Präsentation Freiraumtypologien FJ Höing Teil 2
Präsentation Baumgutachten Block-Daniel Teil 1
Präsentation Baumgutachten Block-Daniel Teil 2
Präsentation Gerd Aufmkolk

P.S. Falls Probleme mit dem Download bestehen, bitte Eva Herr unter eva.herr@bau.bremen.de kontaktieren.

30.09.11

Bericht von der Veranstaltung am 8.9.2011: Städtebauliche Einbindung des neuen Hulsberg-Viertels

Er selbst erwarte das Resultat dieses Prozesses – eine Bürgerbeteiligung in solch frühem Stadium der Planung – mit Spannung, so der Moderator des Bürgerbeteiligungsverfahrens “Das Neue Hulsberg Viertel” Prof. Klaus Selle. Wie ein roter Faden zog sich dieser Satz durch die Veranstaltung am 8. September 2011, bei der es diesmal um das Thema der städtebaulichen Einbindung des neuen Quartiers in die Umgebung ging. Die Spannung, vielleicht auch die Verunsicherung, war deutlich zu spüren, sowohl bei den interessierten Bürgern, wie auch bei den Akteuren der Stadt.

  • Welche Auswirkungen resultieren aus der ökonomischen Bedingung, mit der Vermarktung der Grundstücke Erlöse für das Klinikum zu erwirtschaften?
  • Gibt es Raum für Partizipationsmodelle interessierter zukünftiger Bewohner auf dem Grundstück?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich durch neue Nutzung des Geländes für die Nachbarschaft?

Dies waren einige Fragestellungen, die aus dem Plenum an das Podium gerichtet wurden. Bei einem üblichen Planungsablauf hätten diese Fragen anhand eines zuvor erarbeiteten städtebaulichen Entwurfes erörtert werden können. Fragen der Erschließung, der städtebaulichen Dichte, der Höhenausbildung, der inneren Organisation des Quartiers und des Umgangs von öffentlichen und privaten Freiräume wären in einem solchen Verfahren sichtbar geworden und hätten die Reaktion des Publikums hervorgerufen.

Beim Planungsprozess für das Quartier „Das Neue Hulsberg Viertel“ ist es jedoch anders: Dort sollen durch eine vorgezogene Bürgerbeteiligung, Wünsche und Bedingungen für ein im Anschluss geplantes Gutachterverfahren bereits im Vorwege artikuliert werden. Es handelt sich somit um die Umkehrung bisheriger Planungsabläufe. 

Der erste Vortrag des Abends wurde von dem Projektentwickler Peter Jorzick aus Hamburg gehalten. Herr Jorzick hat bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten: Unter anderem war er an der Umnutzung eines Klinikareals in Hamburg-Barmbek beteiligt. Auf Grundlage seiner Erfahrung in Hamburg hatte Herr Jorzick für die Stadt Bremen eine Bewertung der Grundstücke und Gebäude auf dem Klinikum Mitte vorgenommen. Seiner Meinung nach ergibt sich aus dem 14 ha großen Grundstück, dass durch den Klinikneubau frei wird, ein Nettobauland von ca. 10 ha. Herr Jorzick ging bei seiner Bewertung davon aus, dass eine Bebauung zum Teil aus Bestandsgebäuden und zum Teil aus Neubauten bestehen wird. Den Erlös aus den Grundstücks- und Gebäudeverkäufen bezifferte er auf ca. 15 bis 31 Mio. Euro. Die Entwicklung eines solchen Quartiers würde einen Zeitraum von ca. 5 – 7 Jahre in Anspruch nehmen.

In einer anschließenden Diskussion wurde die in der Presse bekannt gewordene Debatte um die wahrscheinlich nicht zu erzielenden Erlöserwartungen des Klinikums in Höhe von ca. 54 Mio. Euro erörtert. Herr Jorzick erklärte, dass sich ähnliche Erlösdefizite auch in Hamburg-Barmbek ergeben hatten. In der Bilanz des Grundstückseigentümers sind die Bestandsimmobilien entsprechend ihrer Spezialnutzung und insbesondere hochtechnologischen Ausstattung bewertet. Diese Bewertung muss allerdings bei einer Umwidmung korrigiert werden, was zu entsprechenden Bilanzverlusten führen wird, die wiederum ausgeglichen werden müssen. Die anwesenden Staatsräte Mützelburg und Schuster stimmten dieser Auffassung zu.

In einem zweiten Vortrag präsentierte der Senatsbaudirektor Herr Franz-Josef Höing das Ergebnis einer ersten Volumenstudie anhand eines städtebaulichen Modells. Diese Studie ergab, dass eine Unterbringung des von Herrn Jorzick angenommenen Mindestvolumens plausibel ist.

Ein schneller Test: Passt die von Herrn Jorzick angenommene Baumasse? Bleibt Platz für Grün? Danach wird alles wieder abgeräumt, denn wir sind erst am Anfang der Planung.

Auf Grundlage des städtebaulichen Modells wurden im Anschluss an die Präsentation Fragestellungen an das Plenum für die Arbeitsgruppen gerichtet. Diese lauteten unter anderem:

  • welche Höhenentwicklung ist auf dem Gelände denkbar,
  • welche städtebauliche Dichte ist vertretbar,
  • wie und wo sind öffentliche Freiräume zu planen,
  • wie soll sich das neue Quartier mit der Nachbarschaft verknüpfen,
  • wie und wo erfolgt eine zukünftige Erschließung des Geländes.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden vorgetragen und sollen Eingang in das Anforderungsprofil des geplanten Gutachterverfahrens finden.

Bevor Frau Angela Weiskopf aus Tübingen, die zukünftige Referatsleiterin des Bereiches Mitte beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in Bremen, einen Vortrag über das unter anderem von ihr mit geplanten Vaubauquartiers in Freiburg hielt, kulminierte der zu Anfang dieses Erfahrungsberichtes genannte rote Faden in einem Redebeitrag aus dem Plenum an den Senatsbaudirektor gerichtet -„Herr Höing, wir vertrauen Ihnen!“

Bericht von Michael Frenz

Protokoll Neues Hulsberg 08-09-2011
Präsentation Prof. Klaus Selle
Präsentation Franz-Josef Höing Teil 1
Präsentation Franz-Josef Höing Teil 2
Präsentation Angela Weiskopf

3.08.11

Themen für die Workshops im Herbst als Download

Am 24. Juni gab es eine öffentliche Veranstaltung zur Vorbereitung der Planungsworkshops im Herbst. Folgende Themen sollen unter anderem ab September erarbeitet werden: städtebauliche Einbettung, Wohnen, Mobilität, Freiraum und Natur, Nahversorgung, Gewerbe, soziale Durchmischung und Wegeführung/öffentlicher Raum. Weiterhin sollen Querschnittsthemen wie Barrierefreiheit und Sonderthemen wie z.B. Ehrenamt oder Beratungsbüro in die Planung einfließen.

Das vollständige Programm für den Herbst kann hier heruntergeladen werden:

Hulsberg Viertel Herbstprogramm

Der nächste Termin zur städtebaulichen Einbettung findet am Donnerstag, den 8.9. ab 17:30 in der Friedensgemeinde in der Humboldtstraße 175 statt.

1.07.11

Ohne Regie geht es nicht, ohne Akteure auch nicht

Bericht von der Veranstaltung am 24.6.2011 in der Friedensgemeinde: Einstieg in die vorbereitende Planung nach dem Sommer

“Je klarer die Regieanweisung, desto klarer die Ergebnisse”, ist Senatsbaudirektor Franz Joseph Höing überzeugt. Gemeinsam mit Prof. Klaus Selle, Spezialist für Bürgerbeteiligungsverfahren aus Aachen, stellte er am Freitag, den 24. Juni, das Drehbuch bis 2012 vor, darin die Vorgabe konkreter erster Workshoptermine noch in diesem Jahr. An die 100 Interessierte folgten der Einladung in die Friedensgemeinde um 18.00 Uhr. Am Ende stand fest: Regisseure und Akteure können gemeinsam zu sehr guten Ergebnissen gelangen, wenn Sie in einen offenen Dialog treten.

Um was ging es genau an diesem ersten, von Otmar Willi Weber gewohnt professionell moderierten Termin nach der Auftaktveranstaltung auf dem Klinikgelände?

Erstens: Um die Verständigung auf einen gemeinsamen Prozess. Schon das ist nicht unbedingt üblich, wie Prof. Selle betont. Häufig ist der Prozess bei Bürgerbeteiligungsverfahren vorgegeben und nicht mehr Gegenstand einer Diskussion um das Für und Wider. “Es gibt keine richtige oder falsche Form der Bürgerbeteiligung”, sagt Selle, “es gibt maximal gute Erfahrungen aus anderen Städten und derer will man sich auch in Bremen bedienen.” An diesem Abend wurde die Idee der “Expertentische” – eine Arbeitsmethode, die in Zürich erfolgreich angewendet wurde – aufgegriffen und abgewandelt, denn, “wir wollen keine geschlossenen Arbeitsgruppen zu diesem frühen Zeitpunkt”, hieß es sinngemäß aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger. Und Selle reagierte direkt mit dem Vorschlag eines neuen, offeneren Konzepts.

Zweitens: Um die erste Sammlung von Themen und Fragestellungen zum Quartier, dies im Rahmen von Gruppenarbeit. Hier war aktives Einbringen in den Prozess gefragt, und Selle brachte den damit verbundenen Rollenwandel in seiner Ansprache auch gleich auf den Punkt: “Ab jetzt sind Sie nicht mehr Gäste, sondern wir sind alle Mitarbeiter bei der Entwicklung des Hulsberg-Viertels.” Wer mitarbeiten wollte – übrigens der deutlich größere Teil der Anwesenden – blieb und wurde mit interessanten Ergebnissen belohnt. “Sind alle Themen, die im “Neuen Hulsberg” zu bedenken sind, bereits benannt?” lautete Fragestellung Nr. 1. Und welche Ideen oder Fragen haben Sie zu den einzelnen Themenbereichen? Unter den Oberpunkten wie Wohnen, Arbeiten, Soziale Mischung, Energiekonzepte, Einbindung und weiteren mehr sammelte sich eine beachtliche Anzahl gelber Zettel mit Anregungen und Fragen. Auch das eine gute Erfahrung an diesem Abend: “Ich bin mit meinen Vorstellungen nicht allein.” Und: “Ich nehme jede Menge neuer Ideen mit.” So registrierte Weber am Ende dieses intensiven Austauschs auch viele zufriedene Gesichter: “Ja, mein Input wird gehört, notiert und fließt in den Prozess ein.” Ich bin Teil des Verfahrens – ein gutes Gefühl, wenn einem Stadt, Quartiersentwicklung und Nachbarschaft nicht gleichgültig sind.

Die weiteren Workshoptermine sind für den 8.9., 3.11. und 1.12. geplant. Zeit, Ort und Themenstellung werden über diese Website, den Newsletter und über die Tagespresse bekannt gegeben. Mit den lokalen Medien soll eng zusammengearbeitet werden, damit möglichst viele Menschen rund um das Hulsberg-Viertel erreicht werden. Mitmachen und mitarbeiten kann jeder an der Entwicklung Interessierte. Es empfiehlt sich allerdings, sich vorab auf dieser Website über Ergebnisse zu informieren, um nahtlos in den Prozess einsteigen zu können.

Bericht von Katrin Johnsen, Fotos von Florian Pfeffer

Präsentation Klaus Selle Teil 1
Präsentation Klaus Selle Teil 2
Neues Hulsberg Protokoll 24-6-2011

9.06.11

Bericht von den Spaziergängen am 19. und 25. Mai

Großes Interesse erzeugte das Angebot eines Spaziergangs über das Klinikgelände mit Ortsamt, Stadtplanung und Denkmalpflege am 19. und 25. Mai. Den vielen Bürgerinnen und Bürgern, einige davon Baufachleute, einige mit Projektideen, viele mit dem Gedanken, dort einmal wohnen zu können, wurde ein architektonisch bunt gemischtes, von einer parkartigen Landschaft durchzogenes Areal näher gebracht, das viele kaum kennen, weil es bisher noch eine abgeschlossene Insel mitten im Quartier ist.

Was passiert mit den alten Gebäuden? Bleiben sie erhalten und stehen sie unter Denkmalschutz? Wer könnte sie nutzen und wie? Vor allem dies wurde Prof. Georg Skalecki vom Landesamt für Denkmalpflege gefragt. Unter Denkmalschutz stehen die drei großen Backsteinbauten an der St. Jürgen Straße: die Augenklinik, die Innere Medizin sowie die „Alte HNO“ (die heutige Krankenschwesterschule mit dem Café 2000). Die Pathologie Am Schwarzen Meer ist denkmalpflegerisch interessant, wurde jedoch nicht unter Schutz gestellt. Aber auch darüber hinaus wird deutlich: Die Bürgerinnen und Bürger wollen das Neue Hulsberg Viertel vom alten Bestand her weiterentwickeln. Die Augenklinik, die Pathologie, die Dermatologie und das alte Schwesternhaus müssen nun erstmal genau untersucht und bewertet werden. Dann kann beantwortet werden, was man aus diesen Gebäuden machen kann. Wie die Überseestadt aber bereits zeigt, bieten alte Gebäude, saniert und energetisch modernisiert, eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten und werten, wo sie erhalten bleiben, ihre Umgebung auf. Aber nicht nur die Altbauten, auch der Bunker an der Augenklinik weckte Interesse; er bietet im Innern und auf dem Dach viel Platz für Leute mit vielen Ideen. Schwieriger ist die Frauenklinik aus den achtziger Jahren. Sie steht ungünstig, ist groß und kompakt mit vielen Räumen ohne Fenster, könnte praktisch nur im Klinikbetrieb fortgeführt werden. Und der Park? Steht die parkartige Landschaft der Verdichtung des Geländes im Weg? Neubebauung wird in großem Umfang notwendig sein, um ein lebendiges Quartier zu erschaffen. Auch Ertrag muss erzielt werden, so wurde deutlich, denn das Gelände steht in der Bilanz der Kliniken. Trotzdem der Wunsch vieler: Jedenfalls ein wenig Park, vielleicht im Zentrum, sollte schon sein.

Wenn der Klinikneubau nach Zeitplan läuft, werden die Flächen erst Ende 2014 frei. Interessierte wollen aber schon vorher wissen, wie sie sich vernetzen können, wie sie Bauherrengemeinschaften gründen können, wen sie deshalb fragen können. Auch dies herauszufinden, war Ziel des Spaziergangs. Hier müssen sich bald Strukturen bilden, auch zentrale Anlaufstellen für Fragen und Kontakte. Ein erster Verein hat sich vor wenigen Tagen gegründet und sich dies zur Aufgabe gemacht.

Doch Selbstorganisation und Projekte selber realisieren ist nicht für alle das Richtige. Auch dies ist klar: Günstiges Wohnen zur Miete und soziale Mischung sind ebenso gewollt. Das muss und kann die Stadt über unterschiedliche Kriterien, nach denen sie die Grundstücke verkaufen darf, berücksichtigen. Hier ist die Stadt in der Pflicht und es sind auch professionelle Investoren gefragt, die nicht nur auf maximale Rendite schauen. Mögen auch sie sich in den Prozess einbringen!

Bericht von Andreas Mackeben

11.05.11

Bunt und chic, bezahlbar, nachhaltig, multikulturell, kinderfreundlich

Auf der Website haben wir gefragt, wie das neue Hulsberg-Viertel sein sollte und viele haben inzwischen geantwortet: Kinderfreundlich, grün, sozial gemischt, lebendig, erschwinglich und nachhaltig waren nur einige der Stichworte, die genannt wurden.

Das neue Hulsberg sollte wie das alte Hulsberg sein, schrieb ein Kommentator, und auch bei Anderen kam zum Ausdruck, dass die heutigen Qualitäten der Östliche Vorstadt geschätzt werden und sich im neuen Quartier wiederfinden sollten. Daher überrascht es vielleicht nicht, dass sich viele für ein gemischtes Quartier aussprachen: Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel und Gastronomie sollte es im neuen Viertel geben, und auch die Bewohnerschaft sollte eine Gemischte sein. Schon dem heutigen Klinikareal konnte mancher etwas abgewinnen: Besonders Baumbestand und Altbauten wurden als Potenzial gesehen.

Das Thema Verkehr stieß auf großes Interesse, zeigte aber auch, wo Herausforderungen liegen: Verkehrsberuhigte und autofreie Bereiche war vielen ein Anliegen. Andererseits waren Parkprobleme in der Nachbarschaft ein wichtiges Thema: auch „ausreichend viel Parkplätze!!!“ wurden gefordert. Wie das Thema Verkehr behandelt werden soll, und welche Bedeutungen es für unterschiedliche Nutzergruppen hat, sollte in zukünftigen Terminen besprochen werden.

Weniger konfliktträchtig war das Thema Grün: Darüber, dass es neue Grünflächen geben soll und über die Qualitäten des heutigen Baumbestands waren sich alle einig.

Mit dem Wohnen haben sich viele ausführlicher beschäftig: Neben generationenübergreifendem Wohnen und alternativen Wohnformen fand familiengerechtes Wohnen Fürsprecher. Auch die Finanzierung und das Eigentum von Wohnungen waren Thema. Nicht nur größere Bauträger, sondern auch Genossenschaften und Baugruppen sollten bei der Realisierung zum Zuge kommen.

Damit zeichnen sich Themen für Termine nach der Sommerpause ab. Wie die weitere Planung und Rahmenbedingungen der Bürgerbeteiligung aussehen sollten, wollen wir mit allen Interessierten und Klaus Selle am Freitag, den 24. Juni um 18:00 besprechen. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Vorab sind die Spaziergänge am 19. und 25. Mai eine Gelegenheit, das Gelände genauer zu erkunden und Ideen auszutauschen.

Bericht von Eva Herr

18.04.11

Präsentation von Prof. Klaus Selle online

Auf vielfachen Wunsch stellen wir hier die Präsentation von Prof. Klaus Selle zur Verfügung und wünschen viel Spaß beim Anschauen.

Präsentation von Klaus Selle Teil 1
Präsentation von Klaus Selle Teil 2

13.04.11

Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung


Foto: Andreas Holling

Am 11. April um 19 Uhr fand die Auftaktveranstaltung für das Bürgerbeteiligungsverfahren “Das Neue Hulsberg Viertel” im Hörsaal der Inneren Medizin im Krankenhaus Bremen Mitte statt. Wir stellen hier eine Zusammenfassung zur Verfügung sowie einige Links und Downloads von Präsentationen und beispielhaften ähnlichen Projekten.

Die Entwicklung des neuen Hulsberg Quartiers ist ein ehrgeiziger Plan und eines der größten Entwicklungsvorhaben in Bremen für die kommenden 10 Jahre. Es geht um nicht weniger als 14 Hektar in einem dicht bebauten Umfeld in der Nähe der Innenstadt. Deshalb steht am Beginn des Beteiligungsverfahrens die Verständigung auf die Rahmenbedingungen und die grundsätzlichen zukünftigen Qualitäten des Neuen Hulsberg Viertels. Dabei gibt es eine Reihe von Ansprüchen von unterschiedlichen Seiten, die es miteinander zu verbinden gilt:

Auf der einen Seite soll der Erlös zur langfristigen Stabilisierung und Finanzierung der Klinikums Bremen Mitte beitragen. Auf der anderen Seite steht der Wunsch nach dem größtmöglichen Erhalt von bestehenden (und zum Teil denkmalgeschützten) Gebäuden, eine klimaneutrale Entwicklung, eine ausgewogene Mischung von Alters- und Einkommensgruppen, sowie eine gelungene Integration des Krankenhauses in ein dicht besiedeltes Wohngebiet mit ambulanten Ärztezentren, altersgerechtem Wohnen und Möglichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung.


Foto: Andreas Holling

Auf dem Podium gaben folgende Personen Auskunft über den Stand der Planungen und standen Rede und Antwort auf die Fragen der zahlreich erschienenen Interessenten:

> Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa
> Dieter Mützelburg, Staatsrat der Senatorin für Finanzen
> Franz-Josef Höing, Senatsbaudirektor und Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte
> Robert Bücking, Leiter Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt
> Peter Rüdel, Beirat Östliche Vorstadt
> Priv.-Doz. Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer der Gesundheit Nord
> Prof. Dr. Klaus Selle, Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen

Moderiert wurde die Veranstaltung von Otmar Willi Weber

Von Seiten des Finanzressorts wurden zum jetzigen Zeitpunkt keine Zahlen genannt, wie hoch ein potenzieller Verkaufserlös ausfallen sollte. Man solle das Neue Hulsberg Viertel vielmehr als ein mehrfaches Geschenk betrachten an die Bürger, das Krankenhaus und die Stadt. Es gilt nun alle Potenziale dieses Geschenks ausgewogen zu nutzen.

Aus diesem Grund wurde das Projekt nicht – wie es andernorts möglicherweise der übliche Weg gewesen wäre – in die Hände eines kommerziellen Entwicklers gegeben. Vielmehr hat die Stadt Bremen den mutigen Schritt unternommen, die Rahmenbedingungen auf der Basis eines Bürgerbeteilligungsverfahren selber zu definieren.

Aus diesem Grund waren mögliche Formen eines solchen Beteiligungsverfahrens von großem Interesse. Prof. Klaus Selle, der auf umfangreiche Erfahrungen aus einer Vielzahl ähnlicher Projekte zurückgreifen kann, hat den Anwesenden drei mustergültige Projekte vorgestellt, von denen Bremen lernen könnte:

Aus München wurde unter anderem die Umnutzung von zwei ehemaligen Bundeswehrkasernen (Ackermannbogen) beschrieben. Das Beteiligungsverfahren war hier zu Beginn eher offen und locker organisiert, um Vorgaben für die professionellen Planer zu machen. Im Anschluss daran wurde dann in intensiver und jahrelanger Arbeit ein gemeinsames Konzept mit Bürgern und Planern entwickelt, bei dem nicht nur die konkrete Bebauung von Bedeutung war, sondern auch Initiativen zur sozialen Entwicklung einer funktionierenden Nachbarschaft in dem neuen Viertel. Bemerkenswert ist hier auch, dass ein nicht geringer Teil der neuen Wohngebäude von den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner selbst gebaut wurde (Genossenschaften/Baugruppen).

In Freiburg wurde in den vergangenen Jahren ebenfalls ein Kasernengelände neu entwickelt. Hier war der Beteiligungsprozess so angelegt, dass alle Interessensgruppen im Laufe der Planungszeit in einen gemeinsamen Lernprozess eingebunden waren und gemeinsam “schlauer geworden sind”. Im Mittelpunkt der Planungen stand dabei ein hoher Anspruch an die Nachhaltigkeit mit einem entsprechenden Mobilitätskonzept, autofreien Teilquartieren bis hin zu einer Solarsiedlung. Bindeglied zwischen allen Beteiligten war der Verein “Forum Vauban” in dem der Prozess kanalisiert, gebündelt und moderiert wurde.

Zuletzt wurde das Beispiel Zürich genannt, wo ein ehemaliges Industriegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zur Innenstadt neu genutzt werden sollte. Das Besondere in Zürich war dabei das sogenannte 8-Bänke-Prinzip, bei dem jede Interessengruppe einen Vertreter stellen konnte um so eine funktionierende und effektive gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden. Um nun die richtige Form für Bremen zu finden, kann man aus diesen Beispielen lernen, dabei muss jedoch eine für Bremen spezifische Form der Beteiligung entwickelt werden.

In der anschließenden Fragerunde wurde viel Zustimmung zu dem nun eingeschlagenen Weg der Bürgerbeteiligung deutlich. Ebenso deutlich wurden die Eckpunkte einer zukünftigen Planung aus Sicht der Bürger. Dabei wurden nicht unbedingt große Widersprüche sichtbar zu den vorher bereits genannten Kriterien von Seiten der Teilnehmer auf dem Podium. Es wurde aber betont, dass die Finanzinteressen der Stadt und der Klinik nicht die alleinigen Faktoren sein könnten, die schlussendlich den Ausschlag geben, wenn es zu konkreten Entscheidungen kommen wird. Das große Interesse macht jedoch Mut, dass dieses Beteiligungsverfahren erfolgreich verlaufen wird: Trotz des schönen Wetters hatten weit mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger den Weg in die Innere Medizin gefunden.

Abschließend wurden die nächsten Schritte bekannt gegeben und mit konkreten Terminen versehen:

TERMINE
Nach der Sommerpause wird es Workshops geben, in denen das grundsätzliche städtebauliche Programm gemeinsam entwickelt werden soll. Dieses Programm bildet die Grundlage für einen stadtplanerischen Wettbewerb, der Beginn des kommenden Jahres stattfinden soll. Termine werden auf der Website bekannt gegeben.

LINKS ZU REFERENZPROJEKTEN
Ackermannbogen (München)
Portal der Stadt München
Quartiersportal Ackermannbogen
Stadtspaziergänge und Informationen

Stadtforum Zürich
Schlussbericht Teil I
Schlussbericht Teil II
Schlussbericht Teil III

Vauban (Freiburg)
Portal der Stadt Freiburg
Forum Vauban

Bericht von Florian Pfeffer

7.04.11

Podiumsdiskussion und Auftaktveranstaltung

Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligungsverfahren
Podiumsdiskussion mit anschliessender Fragerunde

11.4.2011, 19 Uhr
Klinikum Bremen-Mitte
Hörsaal der Inneren Medizin (Haus 2), 4. OG
St. Jürgen Straße 1 | 28177 Bremen Eingeladene

Einladung Auftaktveranstaltung (PDF)

Sprecher sind unter anderem:

  • Dr. Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa
  • Dieter Mützelburg, Staatsrat der Senatorin für Finanzen
  • Franz-Josef Höing, Senatsbaudirektor und Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte GmbH & Co. KG
  • Peter Rüdel, Beirat Östliche Vorstadt
  • Robert Bücking, Leiter Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt
  • Priv.-Doz. Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer der Gesundheit Nord
  • Prof. Dr. Klaus Selle, Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen
  • Otmar Willi Weber, Moderation

Programm

  • Podiumsdiskussion über die Rahmenbedingungen und Gesichtspunkte der Entwicklung des neuen Quartiers
  • Fragerunde und Dialog über Ziele, Wege und Vorstellungen von Bürgern
  • Mögliche Wege für Bürgerbeteiligung
  • Nächste Schritte und Termine

Über das Neue Hulsberg Viertel
Auf dem Grundstück des Klinikums Bremen-Mitte wird in den nächsten drei Jahren eine knapp 14 Hektar große Fläche frei. Diese soll zu einem neuen städtischen Quartier umgebaut werden. Und dabei sollen Viertelbewohner mitreden und mitbestimmen können. In einem breit angelegten Beteiligungsverfahren sollen in den kommenden acht Monaten begleitend zur Planung und Entwicklung, Zielvorstellungen für das Quartier erarbeitet werden.

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