Ohne Regie geht es nicht, ohne Akteure auch nicht

Bericht von der Veranstaltung am 24.6.2011 in der Friedensgemeinde: Einstieg in die vorbereitende Planung nach dem Sommer

„Je klarer die Regieanweisung, desto klarer die Ergebnisse“, ist Senatsbaudirektor Franz Joseph Höing überzeugt. Gemeinsam mit Prof. Klaus Selle, Spezialist für Bürgerbeteiligungsverfahren aus Aachen, stellte er am Freitag, den 24. Juni, das Drehbuch bis 2012 vor, darin die Vorgabe konkreter erster Workshoptermine noch in diesem Jahr. An die 100 Interessierte folgten der Einladung in die Friedensgemeinde um 18.00 Uhr. Am Ende stand fest: Regisseure und Akteure können gemeinsam zu sehr guten Ergebnissen gelangen, wenn Sie in einen offenen Dialog treten.

Um was ging es genau an diesem ersten, von Otmar Willi Weber gewohnt professionell moderierten Termin nach der Auftaktveranstaltung auf dem Klinikgelände?

Erstens: Um die Verständigung auf einen gemeinsamen Prozess. Schon das ist nicht unbedingt üblich, wie Prof. Selle betont. Häufig ist der Prozess bei Bürgerbeteiligungsverfahren vorgegeben und nicht mehr Gegenstand einer Diskussion um das Für und Wider. „Es gibt keine richtige oder falsche Form der Bürgerbeteiligung“, sagt Selle, „es gibt maximal gute Erfahrungen aus anderen Städten und derer will man sich auch in Bremen bedienen.“ An diesem Abend wurde die Idee der „Expertentische“ – eine Arbeitsmethode, die in Zürich erfolgreich angewendet wurde – aufgegriffen und abgewandelt, denn, „wir wollen keine geschlossenen Arbeitsgruppen zu diesem frühen Zeitpunkt“, hieß es sinngemäß aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger. Und Selle reagierte direkt mit dem Vorschlag eines neuen, offeneren Konzepts.

Zweitens: Um die erste Sammlung von Themen und Fragestellungen zum Quartier, dies im Rahmen von Gruppenarbeit. Hier war aktives Einbringen in den Prozess gefragt, und Selle brachte den damit verbundenen Rollenwandel in seiner Ansprache auch gleich auf den Punkt: „Ab jetzt sind Sie nicht mehr Gäste, sondern wir sind alle Mitarbeiter bei der Entwicklung des Hulsberg-Viertels.“ Wer mitarbeiten wollte – übrigens der deutlich größere Teil der Anwesenden – blieb und wurde mit interessanten Ergebnissen belohnt. „Sind alle Themen, die im „Neuen Hulsberg“ zu bedenken sind, bereits benannt?“ lautete Fragestellung Nr. 1. Und welche Ideen oder Fragen haben Sie zu den einzelnen Themenbereichen? Unter den Oberpunkten wie Wohnen, Arbeiten, Soziale Mischung, Energiekonzepte, Einbindung und weiteren mehr sammelte sich eine beachtliche Anzahl gelber Zettel mit Anregungen und Fragen. Auch das eine gute Erfahrung an diesem Abend: „Ich bin mit meinen Vorstellungen nicht allein.“ Und: „Ich nehme jede Menge neuer Ideen mit.“ So registrierte Weber am Ende dieses intensiven Austauschs auch viele zufriedene Gesichter: „Ja, mein Input wird gehört, notiert und fließt in den Prozess ein.“ Ich bin Teil des Verfahrens – ein gutes Gefühl, wenn einem Stadt, Quartiersentwicklung und Nachbarschaft nicht gleichgültig sind.

Die weiteren Workshoptermine sind für den 8.9., 3.11. und 1.12. geplant. Zeit, Ort und Themenstellung werden über diese Website, den Newsletter und über die Tagespresse bekannt gegeben. Mit den lokalen Medien soll eng zusammengearbeitet werden, damit möglichst viele Menschen rund um das Hulsberg-Viertel erreicht werden. Mitmachen und mitarbeiten kann jeder an der Entwicklung Interessierte. Es empfiehlt sich allerdings, sich vorab auf dieser Website über Ergebnisse zu informieren, um nahtlos in den Prozess einsteigen zu können.

Bericht von Katrin Johnsen, Fotos von Florian Pfeffer

Präsentation Klaus Selle Teil 1
Präsentation Klaus Selle Teil 2
Neues Hulsberg Protokoll 24-6-2011